Unter aufmerksamkeitsökonomischen Gesichtspunkten war es eine tolle Entscheidung der Verlagsgruppe Holtzbrinck, den Herren von der "Zeit" zu befehlen, sich auf das hoch spannende Feld der Videoblogs zu begeben, wie sichtlich unangenehm ihnen das auch sein mag. Der bedauernswerte Spätfeuilletonist Jens Jessen ist jetzt auch
bei Youtube zu haben. Direkt daneben empfehlen die kollektiven Filter Filmchen, die die NPD aus RTL-Bildern montiert hat ("Heute töte ich einen Deutschen").
Als ich mich hingegen kürzlich auf der RTL-Webseite
über die neueste der zahlreichen Günter Jauch-Shows informieren wollte, "Die Weisheit der vielen", bekam ich am Rande Werbung für eine DVD zu sehen.
Genaueres Hinsehen ergab, dass es sich beim Film nicht um "Die 120 Tage von Sodom", sondern bloß um
"Die 120 Tage von Bottrop" ("Die Überlebenden der alten Fassbinder-Zunft haben sich zusammengetan, um auf dem Potsdamer Platz unter Sönke Buckmanns Regie ein Remake von Pasolinis '120 Tage von Sodom' zu drehen") handelte â€" auch das aber ein Film, den Programmplaner der ganzen RTL-Group ihrem Quotenmess-Publikum ganz bestimmt gar nicht vorsetzen würden, weil das ihn nicht sehen wollen würde.
Wer platziert solche Werbung neben Jauch? Das Auge des Betrachters, also die Cookies auf meinem PC? Die Weisheit der Algorithmen?
Etwas beruhigend: Inzwischen empfängt mich auf derselben Seite top-RTL-affine Werbung.
Für "Das Insektenkochbuch" ("Für diese Speisen benötigen Sie Mut!").