Im Herzen der ARD

"Hauptsach, gudd gess â€" g’schafft hammer schnell". Wer Saarländer ärgern will, muss ihnen nur mit diesem Lebensmotto kommen. Das mit dem guten Essen betonen sie zwar selbst immer gern, aber nicht ohne hinzuzufügen, dass sie viel und hart arbeiten. Schließlich war das Saarland eine Bergbauregion. Oft wird der Ausspruch Oskar Lafontaine zugeschrieben. Der immer noch bekannteste Saarländer sorgt häufig für Aufregung - zuletzt als er mit Klaus Wowereit die Anne-Will-Show derart dominierte ... (Netzeitung-Mediendschungel/ Berliner Zeitung)


Verona Pooth im Drei-Stufen-Test

Beim Stichwort «Rundfunk» denken die meisten Menschen erstmal an Radio: den Hörfunk, dessen Signale herumgefunkt werden, weshalb sie manchmal schlechter zu empfangen sind. Medienpolitisch gilt außerdem Fernsehen als Rundfunk. Auch schlüssig, schließlich wird Fernsehen teilweise heute noch gefunkt. Unter Politikern gibt es überdies die Ansicht, dass vieles, was im Internet geschieht, im juristischen Sinne Rundfunk sei. Grund dafür: die bundesverfassungsgerichtliche «ABS-Definition», derzufolge sich Rundfunk durch Aktualität, Breitenwirkung und Suggestivkraft auszeichnet. ... ... (Netzeitung)


Gib mir das Fieber zurück

Ältere Mitbürger erinnern sich womöglich: Als es in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die inzwischen recht obsolete Unterscheidung zwischen Schlager und Rock/ Popmusik noch gab und der Künstler Wolf Maahn mal mit seinem kleinen Hit "Fieber" in der ZDF-"Hitparade" bei Dieter Thomas Heck aufgetreten war, erzeugte das etwas Aufregung. Der musikalisch gar nicht üble Song enthielt in seinem Refrain eine der besten deutschsprachigen Analysen des Rock'n'Roll oder seiner der Historizität: "Wo ist die Grenze der Besonnenheit/ wenn du einkaufst und John Lennon durch den Supermarkt hallt?"

Vox
Inzwischen wird Lennons "Imagine" immer gern als Einspielmusik in Help-Dokusoaps des Privatfernsehens verwendet, schon weil das nach Robbie Williams klingt. Und jetzt am Sonntag - ich hab's nicht gesehen, sondern nur gesehen, dass es das gab und gegu... recherchiert - war Maahn beim "Perfekten Promidinner" auf Vox zu Gast. Er hat Conchiglie Pasta "Bisse und Küsse" mit Kastanien und Entenschinken, aber auch Broccolicremesuppe und Ziegenjoghurtcreme zubereitet... Die Grenzen der Besonnenheit haben sich enorm verschoben.


Neonazis in der Happyhour

Schon wieder so ein Fernsehfilm, der (immerhin) ratlos stimmt. Einerseits toll, wie z.B. die Neonazis in der Happyhour mit einiger Gewaltandrohung in der Stimme darauf beharren, dass es zum Zeitpunkt, an dem sie x Wodka Lemons auf einmal bestellen, noch vor 19.00 Uhr ist. Andererseits, spätestens wenn die Neonazis wähnen, mit als "Porno" apostrophierten Filmchen fürs Internet sowohl Propganda als auch Profit machen zu können, beginnt die Fülle der nicht so reflektierten Klischees doch nachhaltig zu nerven.

NDR/ Nicolas Maack
Es bleibt die Erkenntnis, dass Alexander Scheer (Foto ganz r.) ein toller Schauspieler ist, so wie er, obwohl er und vor allem seine Frisur nun gar nicht nach Nazi aussehen (im Presseheft gern genannter Grund: Scheer verkörperte parallel zu diesem Dreh für den bereits wieder relativ vergessenen Uschi-Obermaier-Film "Keith Richards"), dennoch überzeugend und ambivalent einen spielt. Und dass er mit Regisseur Manfred Stelzer (keiner der sich rar macht), so wie der den Film runterrockt, ein gutes Gespann bildet. Das Werk unter dem (1995 zuletzt verwandten) Allerweltstitel "Brennendes Herz", entstand 2006 gedreht und läuft heute in der ARD. Würde es nur 45 oder allenfalls 60 Minuten dauern, könnte man sagen: ein guter Film.


Karfreitagskrimi

Die Beschäftigung mit deutschen Fernsehserien ist nichts, was direkt fröhlich stimmt. Wenn man sieht, wie etwa die "GSG 9" mal rasch sieben Sekunden vor Countdown-Ablauf eine Atombombe entschärft und so Berlins Stadtkern und eine Million Einwohner vorm Ende bewahrt, schämt man sich etwas, diese Serie zum Start ganz gut gefunden zu haben (Das ist ja ein medienjournalistischer Kardinalfehler, dass sich alle die Startfolgen vorab ansehen und den ganzen, bei Serien entscheidenden Rest im laufenden Programm meist gar nicht...)

ZDF/ Bernd Schuller
Andererseits, das Reinschauen in eine Folge einer der vielen "SOKO"s, mit denen das ZDF einen Spinoff-Wahnnsinn betrieben hat, den sich "CSI" in dem Ausmaß wohl kaum zutrauen würde, brachte eine Überraschung: Der 90-Minüter zu "SOKO Kitzbühel", der am Karfreitagabend das Kontrastprogramm zum ARD-Film "Zwei Herzen und ein Edelweiß" bildet, ist in seiner Verworrenheit so schön verworfen, dass das als Trashkrimi durchaus wieder Spaß macht.


Nichts

Wenn man sehr viele Filme gesehen hat, berührt einen bald gar keiner mehr, aber man kann dafür zu jedem etwas sagen oder schreiben. Das heißt, es kommt bei mir nur sehr selten vor, dass ich ausgesprochen froh bin, über einen Film nichts schreiben zu sollen.

© RTL
"Das Papstattentat" ist so ein Film. Als Medien-Strukturalist müsste man denken, die Bertelsmann AG (deren Produktionsfirma Ufa ihn produziert und deren Sender RTL ihn finanziert hat) als Unternehmen mit sehr evangelischen Wurzeln würde sich etwas dabei gedacht haben, den Papst und diverse weitere unsympathische Katholiken dem offensichtlich islamischen Killer Rami Hamdan gegenüberzustellen. Und dabei ziemlich viele Sympathien für den Killer zu entwickeln, obwohl der beim bewaffneten Herumlaufen mitten in Köln den recht hohen body count produziert, den das RTL-Actionfilm-Publikum mit Recht erwartet. Wobei des Killers Motivation aber nicht mit bekannten Kritikpunkten am aktuellen Katholizismus zusammenhängt, sondern mit einem leichthändig per Flashback eingestreuten Mord, den einst libanesische Christen begangen haben. Dass im Film die historischen Zusammenhänge libanesischer Bürgerkriege über diese eine Szene hinaus reflektiert werden, lässt sich nicht behaupten. Andererseits zeigt der Film klar, dass es ungerecht wäre, irgendeinem Beteiligten zu unterstellen, er hätte an irgendetwas anderes als allenfalls daran gedacht, dass die RTL-Zuschauer einschalten und dranbleiben. Auch der Volksschauspieler Heiner Lauterbach, der den Rami Hamdan verkörpert, denkt sich (gewohnt offensiv-breitenwirksam) ja nichts. Und ansonsten, also unter Genre-Gesichtspunkten, ist der Film sehr langweilig. Darüber zu schreiben, wär schwer.


Der Hamburger Sportverein und Erotik-Weinkönigin Berben

Früher hatte man in Hamburg die "Mopo" ja schon öfters gelesen, auch als der gerade in Berlin umstrittene Josef Depenbrock dort Chefredakteur war. Es war (und ist) eben im Grunde die einzige lokale Nicht-Springer-Tageszeitung. Heutzutage steht sowas da drin.

www.mopo.de
Nur zur Ehre der Vielseitigkeit der Künstlerin: Außer mit dem Weinkönigintum wird Iris Berben in Kürze bei der Grimme-Preise-Verleihung auch mit der Besonderen Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes gekrönt.


Das Beste zum Schluss

© Boekamp & Freunde
Dass das Beste zum Schluss kommt, ist bei der Berlinale eigentlich nicht so. Schließlich sind am Schluss alle müde oder auch schon nach Hause gefahren. In der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" verhielt es doch so. Nachdem die Mehrheit der Filme eher befremdet hatte, folgte am am vorletzten Tag der beste Spielfilm: In "Die Dinge zwischen uns" muss Myriam zur Kenntnis nehmen, dass ihr Gatte, ein Kleinstadtbürgermeister, regelmäßig ins Bordell geht. Um das zu verstehen, heuert sie selber zunächst als Tresenkraft in einem Puff, der sich "Club" nennt, an. Das ist weder Melo-, noch Gender-Drama, sondern eher als Bürgerlichkeitsstudie im Stil des früheren Chabrol inszeniert. Und von Daniela Wutte, die sonst in "Alarm für Cobra 11" sowie "Hausmeister Krause"- und "Pastewka"-Episoden spielt, prima gespielt. Am letzten Tag folgte der beste Dokumentarfilm "Drifter", der auch (zwei Stunden vor seiner ersten Festival-Vorführung) den in der Reihe ausgelobten deutsch-französischen Preis gewonnen hatte. Der Bahnhof Zoo-Kinder-Film ist unglaublich nah dran an seinen Protagonisten. Wie laut auf der Tonspur der Berliner Straßenverkehr dröhnt, ist eine Offenbarung an Realismus. Eine hübsch poetische Filmkritik ("Im rhythmischen Aufsteigen und Fallen der die Gleise begleitenden Telefonleitung treiben trostlose Wiesen mit grauen Feldern von Restschnee über die Leinwand...") steht als "Langinhalt" im PDF-Presseheft der Produktionsfirma Boekamp & Freunde. Beide Filme sind übrigens völlig ohne Fernsehbeteiligung entstanden, zumindest "Drifter" wurde vom Fernsehen auch gar nicht gewollt, was für die These spricht, dass Fernseh-Nähe zu den größeren Problemen des Nachwuchsfilms zählt.


Schon wieder ein Grimmepreis für von der Lippe?

Bei den diesjährigen Grimmepreis-Nominierungen hat der renommierte Regisseur Dominik Graf in der Anzahl der Nominierungen mit dem renommierten Regisseur Heinrich Breloer gleichgezogen, haben alte Hasen ausgerechnet. Da Graf ja schneller dreht als der über viele Jahre mit Mehrteilern beschäftigte Breloer, könnte er diesen bald überholen. Na gut. Ein Fernsehkünstler aber, der sich selbst gern als "alten Sack" bezeichnet, holt bei Grimmepreisen in beängstigendem Tempo auf:

Screenshot: www.juergenvonderlippe.de
Jürgen von der Lippe ist 2008 schon wieder (nach-)nominiert worden, für die Sat.1-Comedyreihe "Deutschland ist schön", die noch vergessener ist als die ProSieben-Spielshow "Extreme Activity", die 2007 zu recht weitgehender Verblüffung einen Grimme-Preis gewann (und inzwischen trotzdem abgesetzt ist). "Deutschland ist schön" gibt es auch eher nicht mehr. Aber Nachnominierungen haben ja immer recht gute Preis-Chancen. Indes befasst sich der immer umtriebigere Entertainer inzwischen bei "Comedy Central" mit Dilemmata ("Stellen Sie sich vor, Sie müssen Ihren alten, kranken Hamster operieren lassen, was sie ein halbes Vermögen kosten wird, während ein neuer Hamster eine weitaus billigere Lösung wäre. Was tun?"), die schon wieder nach renommierten Preisen schreien.


Das Sturmgeschütz der Demokratie schlägt wieder zu...

Screenshot: Spiegel Online
...mit einer brandheiß-topexclusiven Vorabmeldung darüber, was Bruce Darnell über die Todesangst erzählt, die er einst "mal nachts" in North Carolina auf einem Fahrrad erleben musste.