
© Boekamp & Freunde
Dass das Beste zum Schluss kommt, ist bei der Berlinale eigentlich nicht so. Schließlich sind am Schluss alle müde oder auch schon nach Hause gefahren.
In der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" verhielt es doch so. Nachdem die Mehrheit der Filme
eher befremdet hatte, folgte am am vorletzten Tag der beste Spielfilm: In "Die Dinge zwischen uns" muss Myriam zur Kenntnis nehmen, dass ihr Gatte, ein Kleinstadtbürgermeister, regelmäßig ins Bordell geht. Um das zu verstehen, heuert sie selber zunächst als Tresenkraft in einem Puff, der sich "Club" nennt, an. Das ist weder Melo-, noch Gender-Drama, sondern eher als Bürgerlichkeitsstudie im Stil des früheren Chabrol inszeniert. Und von
Daniela Wutte, die sonst in "Alarm für Cobra 11" sowie "Hausmeister Krause"- und "Pastewka"-Episoden spielt, prima gespielt.
Am letzten Tag folgte der beste Dokumentarfilm "Drifter", der auch (zwei Stunden vor seiner ersten Festival-Vorführung) den in der Reihe ausgelobten
deutsch-französischen Preis gewonnen hatte. Der Bahnhof Zoo-Kinder-Film ist unglaublich nah dran an seinen Protagonisten. Wie laut auf der Tonspur der Berliner Straßenverkehr dröhnt, ist eine Offenbarung an Realismus. Eine hübsch poetische Filmkritik ("Im rhythmischen Aufsteigen und Fallen der die Gleise begleitenden Telefonleitung treiben trostlose Wiesen mit grauen Feldern von Restschnee über die Leinwand...") steht als "Langinhalt" im
PDF-Presseheft der Produktionsfirma Boekamp & Freunde.
Beide Filme sind übrigens völlig ohne Fernsehbeteiligung entstanden, zumindest "Drifter" wurde vom Fernsehen auch gar nicht gewollt, was für die These spricht, dass Fernseh-Nähe zu den größeren Problemen des Nachwuchsfilms zählt.