Deutsche Fernsehfilme allein sind schon ein Grund auszuwandern

...lautete der schönste Kommentar (Nr. 7) zu meiner Spon-Besprechung des Pro Sieben-Zweiteilers "Go West!", der auf in seinem betonten Nicht-Naturalismus ganz erfrischende Art eine DDR-Flucht anno 1984 erzählte.


Nur fast alles neigt zum Weitergehen

Eigentlich wollte ich ganz gern eine ironische Jahresvorschau auf 2011 schreiben, so wie Ende 2008 (als es schien, als ginge es mit dem Altpapier zu Ende) als letztes Altpapier der Netzeitung und 2009 (als es statt mit dem Altpapier mit der Netzeitung zu Ende gegangen war) als letzte Medienkolumne der Netzeitung [etwas beschädigt auch noch online]. Nach einigem Nachsinnen scheint mir aber, dass so in jeder Hinsicht unvorhersehbare und unvorhersagbare (und wahrscheinlich allein in ihrer Unvorhersehbarkeit vergleichbare) Phänomene wie Konstantin Neven DuMont, Stephanie zu Guttenberg und Wikileaks das Genre der ironischen Medienvorschau verbrannt haben. Meine letzten Altpapiere 2010: "Es ist eine App!" vom 22.12., "Verkleidete Verfremder" vom 23.12., "Breaking Flausch" vom 29.12. und "Alles neigt zum Weitergehen" vom 30.12.


Männer um die 40

Das Jahr 2010, auf das die Rückblicke jetzt geschrieben werden müssen, wird medienmäßig bemerkenswert von Männern um die 40 bestimmt, die auf Fotos oft etwas an verlorene Engel oder Prinzen erinnern, sich mit ihren kleinen Communitys zerstritten haben und dennoch ganz große Gegner angreifen: ihren Vater oder die Vereinigten Staaten von Amerika, wenn nicht gar den ganzen sog. Westen... (Bzw.: meine Altpapiere vom Donnerstag/ 9.12. und vom Mittwoch/ 8.12., vor allem um Konstantin Neven DuMont, 41, und Julian Assange, 39).


Wintereinbruch

Die Frage, ob ARD und ZDF sich mehr trauen müssten, würden wahrscheinlich noch mehr Deutsche bejahen als Günther Jauch zum Bundespräsidenten wählen würden. Dass aber Schauspielerin Christine Neubauer, 48, sie ebenfalls bejaht, obwohl sie wie niemand sonst (oder wie allenfalls Fritz Wepper noch) davon profitiert, dass ARD und ZDF aus mangelndem Mut jedes Jahr jeweils jede Menge Christine-Neubauer- und Fritz-Wepper-Fernsehfilme herstellen - das erstaunt schon. Insofern sind wir gespannt aufs 99-Fragen-Interview Moritz von Uslars mit La Neubauer... (das aber leider nur als Vorabmeldung, nicht gedruckt vorlag, da der frühmorgendliche Kioskgang zum Altpapierkaufen am Donnerstag/ 2.12. wegen des Winters vergeblich war; volldigital ging's aber auch. Vorher schrieb ich, mit ein paar Papierzeitungen das Altpapier vom Mittwoch/ 1.12., "2010 ist anders")


Digitale Parallelgesellschaften

"... .... Vielleicht ist sie, die Empörung, auch einfach Ausdruck der Partikularisierung der digitalen Gesellschaft, in der die eine Parallelgesellschaft sich über dieses und die andere sich über jenes empört, Berührungspunkte eher zufällig aggregiert werden und gar nicht zwangsläufig Konsequenzen haben müssen. Manche Kölner schauen halt nicht ins Internet, manche Medienbeobachter schauen halt nicht in Kölner Papierzeitungen. Ob überhaupt jemand recht hat, zeigt sich vielleicht später." (aus meinem Altpapier vom Dienstag/ 23.11.) Außerdem schrieb ich das vom Montag (22.11.: "Ist der Papst katholisch?", vor allem rund um Benedikts XVI. weltsensationelles Interview)


Schmetterling mit Spleen

Vor allem Konstantin-Content bzw. DuMont-Thematik diese Woche in meinen Altpapieren: "Misshellige Situationen" (vom Mi./ 17.11.) und "Schmetterling mit Spleen" (vom Do./ 18.11.).


Das Blog zum Film zur Radioshow

... ... Während "Alpha 0.7" in der klassischen Form Fernsehen eher dank der originellen und mutigen Storyidee aus der Flut von Allerweltskrimis herausragt, geht der SWR im Netz einen Schritt weiter. Hier traut er seinem Publikum etwas zu, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen leider selten tut: selbst erkennen zu können, was Fake ist. Dort herrscht eine durchaus raffinierte Doppelbödigkeit, die im Fernsehprogramm oft fehlt... (aus meinem Text übers "trimediale" SWR-Projekt "Alpha 0.7" auf zeit.de)


Einerseits alles geklärt, andererseits nichts

Was auch immer man Konstantin Neven DuMont hält: ein Meister der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen ist er. Ein Versuch, die aktuelle Lage anhand der Echtzeit- und Medienmedien nachzuzeichnen, ist mein Altpapier vom Donnerstag/ 11.11. ("Das Leben ist schön"). In "Digitale Ewigkeit" (vom Mi./ 10.11.) ging es um Helmut Markworts "Facebook für Tote", Schäuble & Offer auf Youtube und um Journalistenbücher.


FSZG, KNDM, Weiler, Kummer

Und weil's ja im Altpapier-Alltag weitergehen, mein Altpapier der Woche: "Querschreiber mit Sonnenbrille" (vom Do./ 21.10., um Jan Weiler, Tom Kummer, Henryk M. Broder...); "Jede Menge Abgewäge" (vom Mi./ 20.10., v.a. um FSZG, KNDM).


Das Altpapier wird zehn

Wenn man alt genug ist und hinreichend Output erzeugt hat, kann man laufend Jubiläen begehen. So wie der "Tatort": Am 28. November 2010 feiert er 40-jähriges Bestehen. Dabei hat er erst Ende '09 seine 750. Folge gefeiert. Das Altpapier ist mit dem "Tatort" so gut wie gar nicht zu vergleichen. Außer dass es schon einmal ein ganz bisschen seine 2000. Folge gefeiert hat (da schrieb "Süddeutsche Zeitung"-Starreporter Hans Leyendecker die Jubiläumsausgabe, in der er dann den "Tagesspiegel", der als einzige Tageszeitung übers Jubiläum berichtet hatte, des "Ranschmeißens" bezichtigte...), nun aber sein zehnjähriges Bestehen begeht. Dafür immerhin erschien die 3000. Ausgabe irgendwann völlig ungefeiert. Wir feiern das Zehnjährige mit zehn Gastbeiträgen von bekannten Medienbeobachtern aus unterschiedlichen Ecken. Als Gastautoren zugesagt haben: ARD Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke (den ich in meiner Presse-Rundmail vorhin dummerweise vergaß), "sueddeutsche.de"-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs, Sascha Lobo, Stefan Niggemeier, "journalist"-Chefredakteur Matthias Daniel, "taz"- Medienkriegsreporterin Silke Burmester, Teresa Bücker aka Fräulein Tessa, "medium magazin"-Chefredakteurin Annette Milz, Rüdiger "Daily" Dingemann vom Perlentaucher sowie Konstantin Neven DuMont.

Das eigentliche Jubiläums-Altpapier wird am 8.11.2010 Christoph Schultheis schreiben, der ein Jahrzehnt zuvor auch das allererste geschrieben hat. Dieses ist online wohl leider nicht mehr verfügbar, dafür aber das noch ältere Altpapier vom 6.11.00. Das jedoch erblickte, berichten Zeitzeugen, auch erst am 8.11.00 das Licht des Internet und lagerte damals gleich schon im "Altpapier-Container" für alte Altpapiere. Was damit zusammenhängt, dass dieser 8. November auch für die ganze (inzwischen muss man sagen: ehemalige) Netzeitung der Starttermin war. Aber das ist eine andere Geschichte, die jetzt wohl kaum gefeiert werden wird...