Die Fernsehkultur ist ins Internet entwichen

Im Corona-App-Streit haben die Dezentralisten gesiegt, aber geklärt ist längst nicht alles. Können Gutscheine junge Menschen an sog. Qualitätsjournalismus heranführen? Der ARD droht eine “zeitverzögerte Erstausstrahlungslücke", Netflix pickt sich die interessantesten Filme heraus, die gerade nicht ins Kino können, und Filmfestivals verlegen sich auf das Netz. Außerdem: Könnte Armin Laschet Kanzler werden (oder erlebt die Talkshow-Nachtkritik eine Erholung)? (Altpapier vom Di./ 28.4.)


Sich bei Instagram registrieren, um RBB-Inhalte sehen zu können?

­Grundfalsch: Wenn öffentlich-rechtlicher Inhalt nicht für alle da ist, sondern exklusiv für Instagram‑Nutzer. Zwischen Christian Drostens Coronavirus-Podcast, dem "Die-Zerstörung-der-CDU"-Video des blauhaarigen Youtubers Rezo, Textblogs älterer Schule und dreidimensional ansehbaren Augmented-Reality-Anwendungen umfassen die Nominierungen zum diesjährigen Grimme Online Award (GOA) mehr oder weniger die ganze Breite des unendlichen Internets. So ungefähr ist der Internet-Preis des Grimme-Instituts auch gedacht. An den meisten Ecken und Enden tut sich immer wieder was, das diskutiert zu werden verdient ... (weiter auf medienkorrespondenz.de)


Haben die Herren all das denn nicht gelesen?

Journalismus und Journalismuswissenschaft streiten. Das Fernsehen der Corona-Ära hat seinen kreativen Höhepunkt mindestens erreicht. Christian Drosten muss mit seiner Roberthabeckisierung klar kommen (und attraktive Journalisten-Frisuren können auch mal erwähnt werden). Friedrich Küppersbusch scherzt wieder, nun auf Youtube. Außerdem: die Storymachine-Story, Streit unter Kontaktverfolgungsapp-Entwicklern und ein Datenspende-Rekord. (Altpapier vom Mo./ 20.4.).


Locken Lockdown-Lockerungen?

Am heutigen Mittwoch wird’s spannend in den Corona-Livticker-Blogs. Damit wissenschaftliche Forschung spannender rüberkommt, kann journalistisch angehauchte PR helfen. Das ist nun sozusagen erwiesen. Immerhin sitzt die Wissenschaft nicht mehr im Elfenbeinturm. Können Anglizismen helfen, damit “Kontaktverfolgung” sympathischer klingt? Außerdem: Die taz-Chefetage wird weiblicher. (Altpapier vom Mi./ 15.4.)


Früher wurden Filme auf Magnetband gespeichert

Erlebt der Journalismus gerade eine “Sternstunde” oder bloß eine “späte Blüte” oder einfach Achterbahnfahrten? Die Landesmedienanstalten machen sich für “existenziell bedrohte” Privatradios stark (und bauen ihre “strukturelle Überfinanzierung” aus). Ein Pionier des Dokumentarfilms ist gestorben. Und “Kurzinhalte” zwischen Hollywood und Oberhausen trenden… (Altpapier vom Di./ 7.4.)


Das größte Medienexperiment aller Zeiten

Nichts wird bleiben, wie es vor der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg einmal war – Sätzen wie diesem begegnet man gerade ziemlich oft, obwohl gar nicht mehr sehr viele Zeitgenossen noch persönlich vom Zweiten Weltkrieg herausgefordert wurden. Es ist natürlich im übertragenen Sinne zu verstehen, so wie Herausforderungen ja auch grundsätzlich als Chancen zu verstehen sind … (weiter auf medienkorrespondenz.de)


Ausnahmezustandroutine

… auf den Schauseiten der Medienlandschaft. Hinter den Kulissen sieht es oft anders aus. Droht dort Journalisten und Medien ein “gnadenloser Selektionsprozess"? Die Datensorten Standort-, Bewegungs- und Kontaktdaten sollten nicht verwechselt werden. Welche könnten sinnvoll gegen die Pandemie helfen? Außerdem: “eine der schwärzesten Stunden des öffentlich-rechtlichen Fernsehens", und wie sich die ARD-Serie “Rote Rosen” dazu verhält. (Altpapier vom Di./ 31.3.)


Hält die Bandbreite die neue Superhelden-Dichte aus?

Jetzt startet auch noch Disneys Streamingdienst, immerhin vorerst nicht mit ganz superscharfen Superhelden- und Raumschiff-Filmen. Ist die Gesellschaft bereits Corona-kompatibler als ihr bewusst ist? Ist das Internet ein Geschenk, das jetzt erst richtig erkannt wird? Außerdem: Kritik an westlicher Parteilichkeit und Lob für Südkoreas ungleichzeitige Gleichzeitigkeit. (Altpapier vom Mo./ 23.3.)


Noch ist alles ziemlich abstrakt

In der mutmaßlich bestmöglichen Medienlandschaft läuft jetzt auch noch ein Wettbewerb der werktäglichen Virologen-Podcasts. Helfen so etwas, Datenjournalismus und “Datenspenden” der Menschheit? Der Journalismus fordert schon mal Bewegungsfreiheit bei möglichen Ausgangssperren. Die Krise ist eine Chance und bleibt dennoch vor allem eine Krise. Außerdem: Für Öffentlich-Rechtliches gibt es keinen Presserat. (Altpapier vom Di./ 17.3.)


Der Medienjournalist Christian Bartels

Der Medienjournalist Christian Bartels schreibt seit den späten 1990ern über Film, Fernsehen, Presse und die Zusammenhänge –  also das Internet und die darin zusammenwachsenden Medien. Vor allem hat er bereits ziemlich unzählige Ausgaben der werktäglichen Online-Medienkolumne Altpapier (dasaltpapier.de) verfasst, die Ende 2025 ein Vierteljahrhundert alt wird. Das Altpapier "zeigt Zusammenhänge auf, und ist damit längst nicht nur zum Archiv, sondern vielmehr zum Gedächnis des deutschen Medienjournalismus geworden", hieß es in der Begründung für den "Deutschen Preis für Medienpublizistik" (Bert-Donnepp-Preis der Freunde des Grimme-Instituts), mit dem das Altpapier-Team 2013 ausgezeichnet wurde.

Während seines Studiums in Marburg und Köln (sozusagen: Medienwissenschaft, Geschichte und Germanistik) verfasste Christian Bartels Kinofilm-Kritiken für die Marburger Zeitschrift "kultur! news" und eine Magisterarbeit über den "Westdeutschen Kriminalfilm der 60er Jahre". Anschließend arbeitete er in Hamburg für die Gruner + Jahr-Programmzeitschrift "TV Today" und schrieb zugleich für Zeitungen wie "FAZ" und "Süddeutsche", "taz", "Tagesspiegel" und das (gedruckte) "stern tv magazin" übers Fernsehen. Sowie zunehmend im Internet über die Entwicklung der Medien. Für "Spiegel Online" entwickelte er das Fernsehkritik-Format "Televisionen" (z.B., z.B.).

2002 war CB kurzzeitig Medien-Redakteur beim deutschen Internet-Pionier Netzeitung in Berlin in der Albrechtstraße und nahm, als er dort wieder aufhörte, das Altpapier als freier Journalist mit nach Hause. Die Kolumne, die ursprünglich sogar siebenmal pro Woche geschrieben werden musste, erschien bis 2008 bei der (bald darauf final untergegangenen) Netzeitung. Nach Zwischenstationen bei dnews.de, einem deutschen Portal des niederländischen Marktführers nu.nl, und evangelisch.de ist sie seit 2017 beim MDR-Portal "Medien 360G" zuhause.

CB betätigte sich auch in einem der ersten oringinären onlinejournalistischen Genres, der Talkshow-Nachtkritik, v.a. für handelsblatt.com und t-online.de. Derzeit schreibt er regelmäßig Fernseh- und Radio-Kritiken für den KNA-Mediendienst, "epd medien" und "Telepolis". Er war Mitglied diverser Nominierungskommissionen und Jurys des Grimme-Fernsehpreises und des Grimme Online Award (für den er in den Nuller Jahren dreimal in Folge nominiert war: zweimal mit dem Altpapier und dann mit dem eigenen Fernsehkritik-Blog 1000augen.com). Sein kulturhistorisch orientierter Deutschland-Reiseblog überallistesbesser.de ruht im Moment – mit weit über hundert im freien Internet weiter abrufbaren Beiträgen über deutsche Orte. 

Christian Bartels wurde in Bonn geboren, wuchs vor allem in Göttingen auf und lebt in Berlin.

 

 

 

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